Der Weg zum regionalen Frühstück

Winterzeit bedeutet Kälte, Schnee und oftmals graues Wetter. Es ist insofern schwer vorstellbar, dass ich mich vor drei Jahren darauf vorbereitete, um am 21.12.2015 so schnell wie möglich mit dem Velo von Bern in meine ehemalige Heimat Graz zu fahren.

Eine lange Fahrt für ein regionales Frühstück… Bild: Stefan J. Pflanzl

Hierfür quälte ich mich innerhalb von 67 Stunden über 840 Kilometer von Bern über Süddeutschland nach Österreich, kämpfte mit Temperaturen von bis zu -7°C und kam kurz vor Weihnachten bei meinem Elternhaus in der Nähe von Graz an. Das Leiden hat sich ausgezahlt, denn wenige Minuten darauf durfte ich eine Butter-Marmeladen-Semmel und ein bisschen Ribisel-Topfen-Creme als Sportlerfrühstück verspeisen.

Ein harter Weg für ein regionales Frühstück – allerdings hätte ich dasselbe in Bern mit einem Butter-Konfitüren-Weggli und einer Cassis-Quark-Creme bekommen. Eine solche Irrfahrt durch die Welt ist natürlich nicht nötig, um die richtigen Nährstoffe zur richtigen Zeit zu bekommen, jedoch geschieht dies täglich – wenn auch in anderer Form. Die Rede ist vom Lebensmittelimport.

Alles, überall und zu jedem Zeitpunkt

Im Supermarkt gibt es beinahe ganzjährig dieselben Lebensmittel zu kaufen, was eine stete Versorgung mit gesunden und köstlichen Gaumenfreuden garantiert. Dieses Thema hat natürlich auch seine Schattenseiten, welche meist am Beispiel der Erdbeeren im Winter wieder aktuell werden. Jedes Jahr blicken entsetzte Nicht-KäuferInnen auf die weiß-grün-roten Erdbeeren von irgendwo (beispielsweise von Orten wie Almeria – die weißen Oberflächen auf dem Sattelitenbild sind Gewächshäuser) und entsetzte KäuferInnen werfen die Hälfte dieser geschmacklosen Erdbeeren weg oder versuchen mit Sahne und Zucker ein Geschmackserlebnis herbeizuführen.

Eine rund 30’000 Hektaren grosse Gewächshauswüste an der spanischen Küste, welche selbst aus dem Weltall gut zu sehen ist.

Die Erdbeeren-Debatte

Doch bevor die Erdbeeren-Debatte in der Wintersaison 2018/2019 aufs Neue beginnt, stelle ich mir folgende Fragen:

  • Was hätte es für Auswirkungen auf unseren Körper, wenn wir unsere Nahrungssuche im Winter ausschließlich auf regionale und saisonale Ware beschränken?
  • Wie würde der Alltag am Teller aussehen?

Die erste Frage ist durchaus einfach zu beantworten. Auch wenn man durch die Werbung mancher Hersteller von Nahrungsergänzungsmittel oder Superfood-Händler schon fast glauben könnte, dass ihre Produkte notwendig wären, um sich bedarfsdeckend zu ernähren, sind dieselben Vitamine, Mineralstoffe, Eiweisse & Co in normalen Lebensmitteln enthalten. Auch gibt es in Südfrüchten und anderer Importware keine Nährstoffe, die nicht von regionalen Lebensmitteln abgedeckt werden könnten! Daher ist und bleibt die beste Strategie für eine bedarfsdeckende Ernährung mehrmals am Tag reichlich vom Richtigen zu essen. Je häufiger dabei auf vitamin- & mineralstoffarme Süßwaren, Knabberzeug oder Alkohol verzichtet wird, desto mehr kann in Form von sättigenden Mahlzeiten konsumiert werden. Mit regionalen und saisonalen Mahlzeiten, nach dem Vorbild des optimalen Tellers, können auch über die Wintermonate hinweg genügend Nährstoffe aufgenommen werden, so dass eine ausreichende Versorgung gewährleistet ist.

Einfach zum Umsetzen: Das Tellermodell

Alternativen zum Import

Doch wie würde der Alltag auf meinem Teller aussehen? Würde man tatsächlich NUR saisonale UND regionale Lebensmittel konsumieren? Würde der Teller etwas trist aussehen und nach einigen Wochen die Motivation für die Saisonalität verloren gehen?

Da es geniale Erfindungen wie das Gefrierfach und moderne Lagermethoden gibt, ist es nicht nötig im Winter auf viele Schweizer Lebensmittel zu verzichten. Tiefkühlwaren, Eingelegtes und Dosen stehen dem Vitamin- und Nährstoffgehalt von „frischer“ Winterware, die schon einige Tage im Supermarkt und teilweise wochenlang zuhause herumliegt und dann erst verarbeitet werden um nichts nach. Der einzige Fehler hierbei wäre es, kein Obst oder Gemüse auf dem Teller zu haben.

Wer dennoch bevorzugt saisonal speist und sich inspirieren lassen möchte, kann im Saisonkalender erkennen, welches Obst und Gemüse gerade frisch oder gelagert in der Schweiz verfügbar ist.

Saisontabelle Gemüse
Saisontabelle Früchte

Ausnahme Vitamin D

Jeder einzelne Mineralstoff und beinahe alle Vitamine können daher täglich in ausreichendem Maße gegessen werden. Um dies zu erreichen ist es nicht notwendig Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen oder Superfoods zu importieren – lediglich darauf zu achten, was auf dem Teller landet. Einzige Ausnahme bietet das Vitamin D, welches schwierig täglich in ausreichendem Maße gegessen werden könnte! Daher empfiehlt es sich ca. von Oktober bis März Vitamin D zu supplementieren. Hierfür reichen schon einfache Vitamin D Präparate vom Einzelhandel oder der Apotheke, welche optimalerweise nach Gebrauchsanweisung zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Da unser Körper bei ausreichender UV-Strahlung selbst das Vitamin D herstellen kann, kann in den sonnenreichen Monaten die Supplementierung mit „bedachtem Sonnenkonsum“ getauscht werden.

Eine ausgewogene Mahlzeit an der Sonne ist dennoch ganzjährig eine clevere Idee. Winter is coming!